09.02.2019 Einmal depressiv, immer depressiv???

Die gestellte Frage kann man mit einem deutlichen NEIN beantworten, wie eine Studie der Universität von Süd Florida ergeben hat, für viele überraschend und zudem zum Leidwesen der Psychopharmakaindustrie. Aus Daten einer repräsentativen Umfrage,Midlife Development, in zwei Wellen in den USA 1995 9096 bzw. 2004-2006 durchgeführt, konnten die Wissenschaftler entnehmen, dass die ehemals depressiven Menschen nach zehn Jahren nicht nur nicht mehr depressiv sondern besser unterwegs waren als Vergleichspersonen aus derselben Studie, die bei der ersten Befragung keinerlei depressive Symptome aufwiesen.
Die Studie lässt sich nicht dazu aus, welche Strategien zum Erfolg führten.
Wir gehen davon aus, dass es keinenfalls Psychopharmaka gewesen sein können, da diese regelmäßig Drehtürpatienten und selbstverstärkende Symptome produzieren. Angenommen wird von uns, dass zum einen Psychotherapie zielführend war, einhergehend mit der Änderung belastender innerer und oder äußerer Umweltfaktoren und zum anderen allein der Zeitablauf von besonderer Bedeutung gewesen sein dürfte.
Es ist bekannt, dass die Mehrzahl aller Depressionen, wie das Durchschreiten eines tiefen Tals, nach Zurückliegen der Wegstrecke enden, insbesondere dann, wenn man auf dem Weg genügend Ballast abgelegt hat.
Den Hintergrund für diese Annahme bildet der Umstand, dass auch die Depression selbst ein Teil des menschlichen Selbstheilungssystems ist, also ausgeprägt wird, wenn keine besseren Mittel erreichbar oder erkennbar sind. Nach gewisser Zeit, insbesondere bei entsprechender therapeutische Unterstützung und zuvörderst der Veränderung von Lebensumständen, hat die Depression ihre Schuldigkeit bzw. ihren Dienst getan und verschwindet wieder.
Auch die hier angesprochene Studie sollte Betroffenen, Therapeuten und insbesondere Psychiatern Anlass bieten, ihre Haltung zur depressiven Problematik nicht nur zu überdenken, sondern an wesentlicher Stelle, zu ändern.
Es handelt sich nämlich keinenfalls um ein un abänderbares Schicksal, dem schlimmstenfalls mit Dauermedikation begegnet werden muss, wie dargestellt ist das Gegenteil der Fall.
Patienten sollte daher eine positive Zukunftsprognose gestellt und Hilfestellung zur Erreichung dieses Zieles geboten werden.
Originalstudie: doi: 10.1177/2167702618812